Einführung
Der Anfang der Geschichte
Der Burgstall von Lampersdorf
Die frühe Burg
Die Festung
Die Herren von Stein
Die Ministerialen
Die Hedwigsbecher
Der Ort Hilpoltstein
Baiern, Nürnberg ...
... und Pfalz-Neuburg
Literatur
Wanderbeschreibung
Wanderkarte
Zur Hauptseite
 

Die Hedwigsbecher

Nach diesem Exkurs über die Reichsministerialen noch ein weiterer über die "Hedwigsbecher", um ihre Bedeutung im Fundmaterial von Hilpoltstein besser beurteilen zu können. Den Namen "Hedwigsbecher" erhielten sie nach einer Legende, nach der sich im Becher von Breslau, der sich im Besitz der Hl. Hedwig, Herzogin von Schlesien, befunden hatte, das Wasser in Wein verwandelt habe.

Fragmente von Hedwigsbechern
Die drei in Hilpoltstein gefundenen Fragmente
von Hedwigsbechern [Platz 1998]

   Gemeinsam ist diesen Gefäßen aus sehr dickwandigem, klaren Glas der sehr tief eingeschliffene Dekor. Insgesamt waren bis ins 20. Jh. 13 vollständige Becher erhalten, Grabungsfunde der letzten Jahre haben den Bestand vermehrt (u.a Weinsberg und Göttingen; dazu die Scherben dreier Becher aus Hilpoltstein).

Hedwigsbecher aus Namur
Hedwigsbecher aus Namur
[Andechs-Meranier 1998]

   Die auf den Bechern vorhandenen Motive lassen sich in zwei Hauptgruppen gliedern. Zum einen sind die heraldisch wichtigen Tiere Löwe, Adler und Greif in unterschiedlichen Kombinationen dargestellt. Bei den übrigen Bechern befindet sich unterhalb der Randlippe ein von ovalen oder runden "Augen" durchbrochenes, erhabenes Band mit Kreuzschraffur. Darunter gibt es Muschel- bzw. Volutenmotive (z.B. das Exemplar aus Namur) [Andechs-Meranier 1998] oder Lebensbäume (der Coburger Becher, der der Hl. Elisabeth gehörte).

   Umstritten waren bislang Entstehungsort und Entstehungszeit der Becher. Eine Herstellung im Orient wird inzwischen von den meisten Forschern angenommen. Dagegen reicht die Datierung vom 12. Jh. (als Beute des Kreuzzugs 1204 nach Mitteleuropa gelangt) bis zu einer frühen Entstehung im 10./frühen 11. Jh. Zur genaueren Datierung können nur die Bodenfunde, und hier ganz wesentlich die Hilpoltsteiner, beitragen.

   Fragment 1, das Abnutzungsspuren zeigt, wurde aus der Baugrubenverfüllung der nördlichen Ringmauer von 1170/80 geborgen. Das Glas war also schon lange in Gebrauch, ehe es um 1150/70 zerbrach und in die Auffüllung gelangte. Die späte Entstehung im 12. Jh. kann also durch diese Funde widerlegt werden. Fragment 2 stammt aus der Verfüllung eines Gewölbezwickel im Palas, zusammen mit anderem Material des 11./12. Jh. Fragment 3 stammt aus dem "Schwarzen Roß" aus dem Hof des einstigen Wohnturms, auch hier ist zusammen mit Scherben des 12. Jh. Die leicht unterschiedliche Färbung zeigt an, daß es sich bei den Funden aus Hilpoltstein tatsächlich um die Überreste dreier verschiedener Gläser handelt [Platz 1998].

   Soweit sich die Hedwigsbecher bestimmten adligen Familien zuordnen lassen, fällt auf, daß sie bisher ausschließlich aus hochadligem Milieu belegt sind. Das gilt z.B. für die Funde in Göttingen (Stadtburg der Welfen), Weinsberg (Wohnsitz der Gräfin Adelheid, der Mutter Kaiser Konrads II.) und Buda (Königspalast der ungarischen Könige). Auch die Seltenheit der Stücke und ihre Verbindung mit der Hl. Hedwig und der Hl. Elisabeth (das Coburger Glas) deuten an, daß der Besitz dieser Becher auf einen kleinen Kreis des absoluten Hochadels beschränkt war [Platz 1998].

Fragment 1 des Hedwigsbechers aus Hilpoltstein
Fragment 1 eines Hedwigsbechers aus
Hilpoltstein [Platz 1998]

   Für Hilpoltstein bedeutet dies, daß die Burg im Besitz einer archivalisch nicht belegten hochadligen Familie gewesen sein könnte.
           
 
Zurück | Home | Vorwärts