Deocar - der dritte Stadtheilige Nürnbergs

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Das Leben Deocars

Deocar im GundekarianumVon Deocar, dem ersten Abt Herriedens, sind keine sicheren Lebensdaten überliefert, doch wurde er wohl um 738 als Mitglied der karolingischen Aristokratie geboren [Ritzer in: Herrieden 1982]. In früher Jugend wurde er dem Kloster Fulda übergeben, erhielt hier seine Ausbildung und kam dann an den Hof Karls des Großen. Er wurde dort Mitglied der Hofkapelle, die nicht nur geistliche Aufgaben, sondern auch große Bedeutung in der Verwaltung des Reichs hatte und deren Angehörige als Gesandte des Königs fungierten.

Darstellung Deocars
im Gundekarianum [Herrieden 1982]

Karl der GroßeDiesem politisch geschulten Geistlichen Deocar vertraute Karl nun, vermutlich um 782, die Leitung des Klosters an der strategisch wichtigen Stelle an der Grenze zu Baiern an. 788 unterwarf Karl Baiern und setzte dessen Herzog Tassilo ab, 791 führte er einen Kriegszug an der Ostgrenze des Reichs gegen die Awaren, an dem vermutlich auch Deocar teilnahm, der dafür für sein Kloster mehrere Orte in der Wachau, darunter auch Melk, erhielt. Nach seiner Krönung zum Kaiser im Jahr 800 griff Karl zur Verwaltung des weitgespannten Frankenreichs verstärkt auf das System der "missi domini" zurück.

Diese Sendboten des Kaisers rekrutierten sich aus dem hohen Adel und Klerus und vertraten den Kaiser bei der Rechtsprechung, der Kontrolle der Grafen und Bischöfe und bei der Verwaltung. Als Missus begegnet uns Deocar z. B. 802 in Regensburg und 804 in Passau, 819 wird er bei der Weihe der neuen Klosterkirche Fulda an vorderster Stelle genannt.

Deocargrab vom DeocaraltarWahrscheinlich ist er zwischen 821 und 824 gestorben, da im Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau nicht mehr sein Name, sondern nur noch der seines Klosters Hasareod erscheint.

 

Darstellung des Deocargrabs
vom Deocaraltar [Herrieden 1982]

 

 

So hat der erste Abt von Herrieden historisch eine bedeutende Rolle bei der geistlichen und politischen Entwicklung des Frankenreichs gespielt.

Sein Nachleben

Die Erinnerung an ihn ist sicher nie ganz erloschen, doch sind aus dem 9. und 10. Jh. keine Nachrichten überliefert. Bischof Gundekar II. von Eichstätt (1057-1075) nahm ihn jedoch in seinem Pontifikalbuch unter die heiligen Fürsprecher des Bistums auf, also muß seine Heiligsprechung bereits vorher stattgefunden haben. Als Kaiser Ludwig der Bayer 1316 Herrieden einnahm, schenkte er Teile der Deocar-Reliquien der Reichsstadt Nürnberg, doch davon später mehr.

Deocarsarkophag in HerriedenDie in Herrieden verbliebenen Reliquien wurden 1482 in einen spätgotischen Sarkophag umgebettet, der seit 1521 in der Mitte der Stiftskirche stand. Der Schrein in Form eines Kirchenmodells trägt auf den Langseiten Darstellungen des Hl. Deocar und der Bistumsheiligen Willibald, Wunibald und Walburga [Rieger 1959]. 1882 wurde er restauriert und in die neben dem Chor gelegene Blasiuskapelle versetzt.

Deocarbrunnen vor der Kirche St. VitusDas Hochaltarbild von 1695 in der Stiftskirche zeigt den Hl. Deocar mit dem Titelheiligen Vitus vor der Madonna, und auch sonst ist die Verehrung dieses doch eher lokalen Heiligen in der Gegend sehr lebendig geblieben. Jüngstes Zeichen dieser Verehrung ist der Deocarbrunnen am Platz vor der Kirche.

Deocarbrunnen vor der Kirche St. Vitus